5G und Covid-19 – gibt es einen Zusammenhang?

23. April 2020 in Artikel

Die vom Corona-Virus Sars-CoV-2 verursachte Krankheit wurde im Dezember 2019 in Wuhan auffällig. Im Internet kursiert derzeit die Vermutung, dass dieser Ausbruch im Zusammenhang mit der Strahlung der 5G-Mobilfunk­sender steht, die in Wuhan zu jener Zeit aufgeschaltet wurden.

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5G und Covid-19 | 21.04.2020 | überarbeitet 27.04.2020

Solche Meldungen waren nun offenbar auch Anlass zu spektakulären Taten: Die britische Zeitung The Guardian berichtete, seit dem 2. April seien im Vereinigten Königreich mindestens zwanzig Mobilfunkmasten in Brand gesetzt oder auf andere Art zerstört worden[1]. Das hätten Regierungs- und Industriekreise berichtet, die zunehmend beunruhigt seien wegen der Auswirkungen „haltloser Theorien“ über einen Zusammenhang des Coronavirus mit den 5G-Netzen. Der Direktor des National Health Service (britischer Gesundheitsdienst, NHS) sprach von „Verschwörungstheorien“ und „schlimmster Art von Fake News“. – Gemäss einer anderen Meldung sind zudem auch in den Niederlanden bisher mindestens 18 Mobilfunkmasten in Brand gesetzt worden[2].

Stand des 5G-Netzausbaus in China und weltweit

Weltweit hat der Ausbau der 5G-Netze begonnen. Die Trägerfrequenzen liegen meist noch unterhalb von 6 GHz, genauer: zwischen 700 MHz und 3,8 GHz. Die Anwendung neuartiger adaptiver Antennen mit Beamforming, d.h. mit beweglichen, fokussierten Strahlenbündeln, ist auf die Trägerfrequenzen von 3,4-3,8 GHz beschränkt. Die Strahlung dieser adaptiven Antennen hat eine erhöhte Aggressivität, dies wegen der – im Vergleich zur Strahlung „statisch“ arbeitender Sektorantennen – stärkeren Amplituden­dynamik, d.h. höheren Strahlungsspitzen und extrem schnellen Änderungen der Strahlungsstärke.

In China war die kommerzielle Betriebsaufnahme der 5G-Netze der drei wichtigsten Betreiber China Mobile, China Unicom und China Telecom auf den 1. November 2019 angekündigt. Die Netze werden hauptsächlich auf dem Frequenzband bei 3,6 GHz betrieben. Die Industriestadt Wuhan ist eine der chinesischen 5G-Pionierstädte. Im Kerngebiet und an wichtigen öffentlichen Orten der 10-Millionen-Stadt wurden bis Ende 2019 gemäss Berichten rund 10’000 5G-Mobilfunksender errichtet.

Frequenzen im 26 GHz-Band und höher (Millimeterwellen) sind derzeit weltweit noch vorwiegend auf Testnetze beschränkt. Ein Pionier-Testgebiet in Europa für 5G mit 3,5 und 26 GHz ist der Zwergstaat San Marino. Ein Blick in die Pandemiestatistiken[3],[4] zeigt: Bezogen auf die Einwohnerzahl ist in San Marino die Corona-Todesrate 10-mal höher als in der Schweiz, 3-mal höher als in ganz Italien, aber tiefer als in der Lombardei. Doch hat das etwas mit 5G zu tun? Es gibt viele mögliche Einflussfaktoren. Als Gründe für die in der Lombardei hohe Corona-Todesrate wurden öffentlich u.a. genannt: Starke Luftverschmutzung, starke Über­alterung der Bevölkerung, Altersheime als Infektionsherde. Überdies fand im Januar regional eine Meningitis-Massenimpfung statt. Zudem war die bisherige Strahlenbelastung bereits hoch. Der 5G-Ausbau begann 2019 zunächst in Milano und Brescia.

Direkter Zusammenhang zwischen 5G und Covid-19?

Als Verschwörungstheorie bezeichnen die Medien die Behauptung, 5G-Mobilfunkstrahlung sei verantwortlich für das Coronavirus. In der Tat gibt es für die Behauptung eines derart engen, kausalen Zusammenhangs keine Grundlage. – Was die Medien jedoch verschweigen: Mobilfunk und somit auch 5G hat sehr wohl das Potenzial, das menschliche Immunsystem zu schwächen. Dazu gibt es seit Jahrzehnten wissenschaftliche Belege[5]. Als neueres Beispiel sei eine Studie[6] von 2011 genannt, durchgeführt in Rimbach (Bayern) an 60 Anwohnern eines Mobilfunksenders: Nach Betriebsbeginn des Senders fanden die Forscher negative Veränderungen im Stresshormonhaushalt der Anwohner.

Überdies ist festzuhalten, dass in der Industriestadt Wuhan, wo das Virus Sars-CoV-2 auffällig wurde, in den vergangenen Jahren eine hohe Luftverschmutzung herrschte [WHO-Bericht 2015]. Die dadurch verursachte Schwächung von Teilen der Bevölkerung ist neben einer zweifellos beträchtlichen Belastung durch Mobilfunk, seit November 2019 auch durch 5G, mit zu berücksichtigen.

Umweltärztliche Praxis zeigt: Mobilfunkstrahlung beeinträchtigt das Immunsystem

Die Wissenschaft sucht nachzuvollziehen, was in der Umweltmedizin aufgrund der Praxis schon Gewissheit ist: Jede Art elektromagnetischer Felder, gerade auch die 2G-3G-4G-Mobilfunkstrahlung, schwächt das Immunsystem. Für Umweltärzte ist das eine vielfach bestätigte Erfahrungstatsache. Bei 5G werden aufgrund der besonderen Strahlungscharakteristik noch stärkere Auswirkungen erwartet.

Schon 2002 beobachteten die Ärztinnen und Ärzte, die den damaligen Freiburger Appell verfassten, an ihren Patienten eine erhöhte Infektanfälligkeit – mit anderen Worten: ein geschwächtes Immunsystem – als eine der Strahlungsfolgen. Dieselbe Feststellung enthielt wiederum der ein Jahrzehnt später aufgrund der Erweiterung und Erhärtung dieser Praxiserfahrungen lancierte Ärzteappell 2012[7].

Offener Ärztebrief an die deutsche Bundesregierung vom 6. April 2020

„Wir umweltmedizinisch orientierten Ärzte und Psychotherapeuten sehen einen Zusammenhang zwischen Funkbelastung, Immunschwäche und globaler Epidemie. Wir rufen dazu auf, die weltweit verbreitete Hochfrequenzbelastung drastisch zu reduzieren!“

Das schreiben die 10 Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten, welche den an die Kanzlerin, den Gesundheitsminister, die Umweltministerin und die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz gerichteten Brief erstunterzeichnet haben. Seit zwei Jahrzehnten trete die Schwächung des Immunsystems infolge der „Dauerbelastung durch Mobilfunk“ zu den bisherigen Ursachen wie „weitverbreitete Toxine, Fehlernährung, manche Medikamente, Luftverschmutzung und bestimmte Lebensstilfaktoren wie Alkohol und Nikotin“ hinzu.

Sie warnen vor der zu erwartenden Verstärkung der Strahlenbelastung durch 5G und appellieren an Regierung und Behörden, „… statt – wie bisher – staatlicherseits Mobilfunkausbau und Mobilfunkindustrie zu fördern, jetzt mit oberster Priorität die Gesundheit der Bevölkerung, ihre Arbeits- und Versorgungsfähigkeit mit allen Mitteln zu unterstützen.“

Hohe Strahlungsbelastung ausgerechnet in Kliniken und Altersheimen

Das Gesundheitswesen steht derzeit besonders im Fokus, aber nie ist bisher die Rede von der hohen Funkbelastung in Krankenhäusern, Heimen und Arztpraxen. Oft wurde der Schreibende von Heimbewohnern zu Strahlungsmessungen gerufen. Es zeigte sich, dass DECT-Haustelefonanlagen des Personals und zunehmend WLAN teils massive Schlaf- und Gesundheitsprobleme verursachen. Viel Leiden könnte vermieden werden, wenn zuständigenseits ein entsprechendes Bewusstsein vorhanden wäre.

Die Psychiatrie hält überdies fatalerweise immer noch daran fest, dass Menschen, die ihre Symptome dem Elektrosmog zuschreiben, Halluzinationen (Wahnvorstellungen) hätten. Viele Betroffene haben schon entsprechende, bittere Erfahrungen machen müssen. Noch gravierender ist es, wenn Elektrosensible in eine der meistens massiv WLAN-verstrahlten psychiatrischen Kliniken geraten: Fehldiagnosen und falsche Medikation haben in Einzelfällen verhängnisvolle, ja tragische Auswirkungen.

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Zweierlei ist in der gegenwärtigen Lage zu hoffen: Möge das derzeitige Miterleben des mit Covid-19 einhergehenden Digitalisierungsschubes, zusammen mit 5G und der übrigen drahtlosen Kommunikation, vielen Menschen die Augen öffnen für die in gesundheitlicher, erzieherischer, sozialer und kultureller Hinsicht verhängnisvollen Folgen dieser einseitigen technokratischen Entwicklung.

Und mögen sich viele Menschen dafür einsetzen, dass nicht die freie, eigenverantwortliche Ausübung unserer Grundrechte unter dem Vorwand einer Schein-Sicherheit eingeschränkt wird.

Peter Schlegel

 

[1]      https://www.theguardian.com/technology/2020/apr/06/at-least-20-uk-phone-masts-vandalised-over-false-5g-coronavirus-claims

[2]      https://nos.nl/artikel/2331641-tweede-verdachte-van-branden-zendmasten-opgepakt.html

[3]      https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie/Statistik, abgerufen am 13.04.2020

[4]      https://statistichecoronavirus.it/regioni-coronavirus-italia/lombardia/, abgerufen am 20.04.2020

[5]      https://www.diagnose-funk.org/publikationen/artikel/detail&newsid=1550 (umfangreicher Nachweis wissenschaftlicher LIteratur)

[6]      Buchner K, Eger H, Veränderung klinisch bedeutsamer Neurotransmitter unter dem Einfluss modulierter
hoch­frequenter Felder – eine Langzeiterhebung unter lebensnahen Bedingungen. Umwelt-Medizin-Gesellschaft 1/2011

[7]      http://freiburger-appell-2012.info/de/home.php

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